Die Welt im Licht von William Turner (2022)

Die Welt im Licht von William Turner (1)

Grobschlächtiger Geselle mit derben Manieren: Timothy Spall als bulliger Maler William Turner, der in späteren Jahren eine Witwe ehelichte

© /Filmladen Filmverleih

Die Welt im Licht von William Turner

11/19/2014

Mike Leighs erdiges Biopic "Mr. Turner - Meister des Lichts" über den Maler William Turner ist schön wie ein Gemälde.

Mr. Turner ist kein Maler, der einfach nur malt. Mr. Turner bespuckt die Leinwand, zerkratzt sie mit dem Fingernagel und sticht mit dem Pinsel auf sie ein. "Erbärmlich", findet Queen Victoria seine dramatischen, zunehmend abstrakten Lichtspiele: "Schmutziges, gelbes Geschmiere."

William Turner, einer der prägendsten Maler Englands, Meister des Lichts, Wegbereiter des Impressionismus und der modernen Malerei: Er stirbt 1851 und gilt schon zu Lebzeiten als Star – geboren in der Arbeiterklasse, wurde er bereits im Alter von 14 Jahren an die Royal Academy aufgenommen.

Bei Mike Leigh ist Turner kein gepflegter Schöngeist, und schon gar nicht veredeltes Künstlergenie. Gesehen von dem britischen Regisseur, ist Turner erstmal nur schlicht "Mr. Turner". Ein grobschlächtiger Geselle von bulliger Statur, mit hängenden Pausbacken, buschigen Augenbrauen und wild wucherndem Backenbart. Der bulldoggige Timothy Spall erhielt für seine beinahe animalische Anverwandlung den Darstellerpreis in Cannes.

Als Turner poltert er durch die Adelsgesellschaft und gibt anstelle von Sätzen gerne Grunz- und Knurrlaute von sich. Wie ein Trüffelschwein tigert er durch die Landschaft, auf der Suche nach Lichtstimmungen. Er lässt sich im Schneesturm an einen Mast binden und studiert die Dynamik des Meeres, die Sonnenauf- und Untergänge. Und immer wieder bricht aus dem derben Turner die zartbesaitete Empfindsamkeit heraus. Wenn er zum Klavierspiel singt oder noch in den gewöhnlichsten Gesichtern die Schönheit des Klassizismus entdeckt, macht sich sein Feinsinn spürbar.

Erdiges Biopic

Mike Leigh, der große Sozialrealist des britischen Kinos, rückt die Bilder seines erdigen Biopics buchstäblich in Turners Licht. In beinahe jeder Einstellung strebt er nach einer Komposition wie in einer Turner’schen Gemäldemalerei. Milchiges Licht, mildes Gelb, Orange, Braun und verglühendes Abendrot über holländischer Landschaft – er entwirft lebhafte Tableaus von fein ziselierter Schönheit, ohne ins Prahlerische zu verfallen. Vor unseren Augen entstehen adelige Gesangsabende im Kerzenlicht, malerische Seestädtchen und die blasierte Eleganz der Royal Academy. Leigh lässt historische Welten entstehen, indem er sich ganz auf Turners Licht verlässt.

Der Künstler selbst malt auch Dramen wie etwa die Ertränkung von Sklaven auf hoher See. Seine Zeitgenossen wollen jedoch nur die Technik seiner Lichtsetzung bemerken, nicht das Verbrechen. Aber auch Turner selbst verströmt bürgerliche Kälte, wo es um die eigenen Privilegien geht. Die armselige Hausangestellte, rettungslos in "Master Billy" verliebt, benützt er wie ein sexuelles Wegwerftuch. Das Leid der Frau manifestiert sich in aufgekratzten Schuppenflechten, die im Verlauf der Jahre ihren ganzen Körper verkrusten. Ihr Elend entgeht den ansonsten so scharfen Augen des Meisters, am Ende hat er sie komplett vergessen.

Nicht aber Mike Leigh. Er lässt den todkranken Künstler – beinahe Goethe-ähnlich – mit einem einprägsamen Satz ("Die Sonne ist Gott!") sterben. Das letzte Bild seines Filmes aber gehört nicht dem großen William Turner, sondern der kleinen, verkrusteten Hausangestellten, die haltlos weinend durch das leere Haus des Malers irrt.

INFO: Mr. Turner - Meister des Lichts. GB 2014. 150 Min. Von Mike Leigh. Mit Timothy Spall, Dorothy Atkinson, Marion Bailey.

KURIER-Wertung:

Ein mediales Vorspiel zum großen Krieg

Das Spiel ist aus, aber die Show muss weitergehen. Im abschließenden Teil drei der mit Riesenerfolg verfilmten Roman-Trilogie von Suzanne Collins stehen die Zeichen auf Krieg im Staate Panem. Da das dritte Buch fürs Kino zweigeteilt wurde, ist "Mockingjay: Teil 1" eine Art Vorspiel zum kriegerischen Finale im nächsten Jahr.

Die Welt im Licht von William Turner (2)

(Video) The Genius of Turner: Painting The Industrial Revolution

Film: Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1 2014 Mit Jennifer Lawrence Josh Hutcherson Liam Hemsworth Woody Harrelson Elizabeth Banks Philip Seymour Hoffman Julianne Moore

© Bild: Studiocanal

Die "Hunger Games", bei denen Jahr für Jahr jugendliche Kämpfer aus den Distrikten Panems als Tribute geopfert werden, sind vorerst Geschichte. Katniss (Jennifer Lawrence) befindet sich, nachdem sie bei den letzten Hungerspielen erfolgreich ausgeflogen werden konnte, im zerstörten Distrikt 13, einer Rebellenhochburg, die im Untergrund zu suchen ist. In einer unterirdischen Stadt schmieden hier die resolute Alma Coin (Julianne Moore) und Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman †) Pläne für den Sieg gegen die Diktatur des dekadenten Kapitols. Als Symbolfigur dafür soll abermals Katniss dienen. Als "Spotttölpel", ein in der Nachrichtenübertragung geübter Singvogel (engl. Mockingjay), soll sie die Revolution weitertragen. Das ist nicht der einzige Beitrag zu "Medien in Theorie und Praxis" in diesem ungewöhnlichen US-Blockbuster.

Propagandakrieg

Auch wenn der reale Krieg noch aussteht, ist der Propagandakrieg längst ausgebrochen. Im Kampf der Bilder werden Katniss und der geliebte Kamerad Peeta gegeneinander ausgespielt. Letzterer befindet sich in Händen des Kapitols und bittet die Rebellen um Frieden. Diese wiederum hacken sich in die TV-Übertragung ein und schneiden Katniss beim Singen eines Revolutionsliedes ohne ihr Wissen ins Fernsehbild.

Die Welt im Licht von William Turner (3)

Film: Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1 2014Mit Jennifer Lawrence Josh HutchersonLiam HemsworthWoody HarrelsonElizabeth BanksPhilip Seymour HoffmanJulianne Moore

© Bild: Studiocanal

Optisch ist "Mockingjay: Teil 1" noch düsterer und hermetischer als dieVorgänger. Fast alles spielt sich in grauen Räumen und in zerbombten Städten ab. Wodurch die hervorragenden Schauspieler im Zentrum stehen.

Jennifer Lawrence wirkt im Hin- und Hergerissensein zwischen dem Überleben ihrer Liebsten und der Sache der Revolution nicht nur darstellerisch äußerst glaubwürdig, sie singt zwischendurch auch noch hinreißend. Josh Hutcherson gefällt als psychisch angeschlagener Peeta, während Liam Hemsworth als Gale weiterhin den treuen Gefährten gibt. Bemerkenswert wie immer ist Philip Seymour Hoffman, der in seiner letzten Rolle noch einmal seine zurückhaltend-zwingende Dramatik zeigt, mit lakonischer Abgeklärtheit die Fäden ziehend.

(Video) Zeichenstunde William Turner

Durch die Teilung des Finales erhielt Regisseur Francis Lawrence viel Zeit, um die Geschichte zu entwickeln. Freilich bedeutet dies auch zweimal Zugang zu den Kinokassen. Aber: In zwei Stunden eine von Diktatur geschändete, zukünftige Welt im Vorfeld eines Krieges zu etablieren, bewegt wohl auch mehr in den Köpfen als ein einziger dreistündiger, mit Handlung vollgestopfter Kraftakt.

INFO: "Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1". Science Fiction/Abenteuer. USA 2014. 125 Min. Von: Francis Lawrence. Mit: Jennifer Lawrence, Liam Hemsworth, Josh Hutcherson, Julianne Moore, Philip Seymour Hoffman, Woody Harrelson, Stanley Tucci, Elizabeth Banks, Natalie Dormer, Wes Bentley.

KURIER-Wertung:

Die Welt im Licht von William Turner (4)

Eine gut geölte Sitcom endet im Familienschmalz

Eric ist ein Stein und Norman ein schwarzer Ziegel. Beide sind die Kuscheltiere der jüngsten Tochter einer fünfköpfigen Familie. Da kann der überforderte Vater nur den Kopf schütteln. Allerdings lebt er von der Mutter getrennt – und nur für einen Kurzbesuch in Schottland, um den sterbenden (Schwieger-)Vater zu besuchen, wollen die Eltern (Rosamunde Pike und David Tennant) und ihre Kinder noch einmal heile Familie spielen.

Die Macher der Brit-Hit-TV-Serie "Outnumbered" komponierten eine schlagfertige Großeltern-Eltern-Kind-Komödie, die wie eine gut geölte Sitcom funktioniert: Guter Witz, gutes Timing. Im letzten (dramatischen ) Drittel allerdings verliert sie die Balance und kippt in ein hysterisch-schmalziges Feel-Good-Movie. Schade.

INFO: GB 2014. 95 Min. Von Andy Hamilton, Guy Jenkin. Mit Rosamunde Pike.

KURIER-Wertung:

(Video) Pirates of the Caribbean AWE: Will Turner full death scene

Tiefschwarzer Humor vor schneeweißer Kulisse

Wenn die Skandinavier erst einmal mit dem Abmurksen beginnen, können sie gar nicht mehr damit aufhören und irgendwann kommt man beim Mitzählen der Leichen (sprich: Bodycount) durcheinander.

Ein wie immer großartiger Stellan Skarsgård spielt einen ebenso wortkargen wie pflichtbewussten Schneepflugfahrer, der in Norwegens Gangsterwelt kräftig aufräumt.

Dieses Werk mit dem schönen Originaltitel "Kraftidioten" schwingt sich durchaus zu großer Dramatik auf, sorgt jedoch zugleich dank knochentrockener Lakonik und nordischem Humor für Heiterkeit, die sich mitunter sogar auf die potenziellen Todeskandidaten überträgt – lachend zu sterben ist schließlich auch ein Privileg.

INFO: N/S/DK 2014. 116 Min. Von Hans Petter Moland. Mit Stellan Skarsgård.

KURIER-Wertung:

My Old Lady

Tragikomödie Kevin Kline erbt ein Pariser Stadtpalais, darf es aber nicht verkaufen, weil noch Dame Maggie Smith darin wohnt. Außerdem reißt sein Besuch bei der alten Dame eine Menge Wunden aus seiner Kindheit auf. Großes Schauspielerkino mit Überhang zur Theatralik.

Kick Out Your Boss

Doku Elisabeth Scharang beleuchtet das Verhältnis von Arbeitnehmern zu ihren Jobs in Brasilien, Serbien und Österreich.

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Ein mediales Vorspiel zum großen Krieg

(Video) LWL-Kultur: Der Schneesturm von William Turner

Ein mediales Vorspiel zum großen Krieg
(Video) MR. TURNER Trailer German [HD]

Unter den englischen Malern ist William Turner eine Ausnahme. Denn während sich seine Zeitgenossen in der Vergangenheit verlieren, sucht der Londoner den romantischen Zauber in den Wunderwerken der Industrialisierung, lässt Lokomotiven durch Farbstürme fa

Die Segel sind nicht weiß wie Segel, sondern schwarz wie die Stimmung, die der Künstler illustrieren will: "Ich wünschte nur", rechtfertigt Turner die Verfremdung, "ich hätte eine Farbe, mit der ich sie noch schwärzer machen könnte.". Auch er feiert das "Erhabene", jene Ästhetik des feierlichen Schreckens, die der Philosoph Edmund Burke Jahrzehnte zuvor entwickelt hat und die die Romantiker jetzt für sich entdecken, in Seestürmen, Sintfluten und Alpengipfeln.. Er pilgert zur ersten Eisenbrücke der Welt nach Coalbrookdale, zu den Erzhütten von Südwales, den Kupferminen auf der Insel Anglesey und den Fabriken und Schloten der wuchernden Industriestadt Leeds.. Und während die deutschen gefühlsbetonten Denker die Welt "romantisieren" wollen, wie es der Dichter Novalis ausdrückt, um "dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Endlichen einen unendlichen Schein" zu verleihen, entdeckt der bodenständige Turner das Fantastische in den technischen Errungenschaften der Gegenwart.. Durch die dünnen Wände der königlichen Kunstakademie, wo er als Professor für Perspektivlehre amtiert, kann er die Debatten der Wissenschaftler belauschen, die in der benachbarten Royal Society konferieren.. Daher rückt er den Leinwänden nicht nur mit der Spitze des Pinsels zu Leibe, sondern auch mit dem Stiel, traktiert sie mit Palettenmessern und den bloßen Fingern, mit Lappen, Löschblättern und sogar Brotkrumen.. Denn der schweigsame kleine Mann mit dem Cockney-Akzent, den krummen Beinen und der Physiognomie eines Bauern entspricht so gar nicht dem Bild eines romantischen Genies: Er ist ein Macher, für den das ganze Geheimnis der Kunst in "verdammt harter Arbeit" besteht; ein Pragmatiker, der eine eigene Galerie betreibt, einen Agenten zur Akquisition von Aufträgen beschäftigt und nach und nach ein Vermögen von 140 000 Pfund (nach heutiger Kaufkraft gut 16 Millionen Euro) anhäuft, mehr als jeder andere englische Künstler seiner Epoche.. Turner legt großen Wert darauf, sein Werk per Druckgrafik an ein breites Publikum zu streuen - und ruft Ignoranten, die Mühe haben, seine bildnerischen Revolutionen nachzuvollziehen, zur Ordnung: "Ich löse die Formen auf", herrscht er einen von ihnen an, "aber Sie folgen mir nicht, sondern behalten die Formen bei.". Und wenn er 1844 einen Zug der Great-Western-Eisenbahn darstellt, der bei schlechtem Wetter eine Brücke bei Maidenhead überquert, verwirbeln Zug, Brücke, Landschaft und der kaum noch erkennbare Hase, der vor der Lokomotive über die Gleise flüchtet, in einem Windkanal aus „Regen, Dampf und Geschwindigkeit“, so der Titel des heute wohl berühmtesten seiner Bilder.. Schickt Leinwände in die Ausstellung, die noch nicht viel mehr sind als Ansammlungen von Farbtupfern: nur um noch am Varnishing Day auf das Angebot der Konkurrenz reagieren zu können, sich von ihnen abzuheben und das Werk vor atemlosem Publikum bravourös zu vollenden.. Erst die Impressionisten werden das glühende Licht, die Auflösung der Formen und die geradezu körperliche Macht der Farbe in Turners Malerei zu schätzen wissen - und den Briten posthum zu einem Vater ihrer Bewegung ernennen.

Münsters Landesmuseum lockt mit einer fabelhaften William-Turner-Schau. Sie ist eine Wucht und verspricht Schönheit und Schrecken nicht leichtsinnig.

Für die Schau, die bereits mit anderen Schwerpunkten in Luzern zu sehen war und die nach Übersee weiterwandern wird, hat Claus auf die Turner-Schätze der Londoner Tate zurückgreifen können.. Die Natur steht unter dem Eindruck der Effekte, die Natur ist der Auslöser schauriger Affekte, wenn eine Lawine ins Bild stürzt und alles, was darin sich eher vage zeigt, Bäume, eine Hütte, unter sich begräbt bis auf einen jäh geborstenen, sich dem Betrachter entgegenreckenden Baum.. Ruskin, sein Bewunderer, charakterisierte Turner in seinem Tagebuch als verschroben, ja brüskierend, und Cees Nooteboom hat soeben erst die Performance des Malers vor einem seiner Bilder, wie zu sehen auf einem zeitgenössischen Porträt, so interpretiert: „Da steht er, klein, korpulent, der Zylinder macht ihn nicht wirklich größer, seine Haltung ist die eines Militärs beim Angriff, Palette parat, Pinsel parat, jetzt geht’s los.“. Der Jahrhundertmaler hatte es in Deutschland schwer – erst ein Cornelius Gurlitt, eben der, über den zuletzt viel die Rede war als Raubkunsthändler der Nazis, erkannte in den 1890er Jahren die epochale Bedeutung Turners, weil er in ihm einen Bahnbrecher sah, auch einen Vorläufer des Impressionismus.. Der so groteske wie erhabene Reiz der Bilder Turners liege darin, dass, so der Turner-Spezialist der Londoner Tate, David Blayney Brown im Katalog, „Turners Berge wie eingefrorene Wellen aussehen und seine Wellen wie sich bewegende Berge.“. Turner war ein Künstler der Metamorphosen, auch deswegen kam er auf den „Abend der Sintflut“ und den „Morgen nach der Sintflut“ zurück.. In Münster wird ein enormes Turner-Spektrum ausgebreitet, die lockere, fließende Pinselführung, der sich in den Aquarellen verströmende Farbauftrag ebenso wie die angespannte Farbfetzenmalerei oder auch die Farbkleckse, nach dem Verfahren von Alexander Conzens, der bereits 1785 (!). Zudem führt die Schau die thematische Bandbreite Turners vor, den Landschaftsmaler, den Historienmaler, den Maler nach Motiven der Bibel, den der industriellen Revolution – und den des „Sonnenuntergangs über einem See“, um 1840 entstanden.

Joseph Mallord William Turner (1775–1851), britischer Landschaftsmaler der Romantik, kontroversieller Maler, Reisen, Royal Academy, Aquarell- und Ölmalerei

Im Dezember 1789 wurde der 14-jährige Turner durch die Vermittlung vom Historien- Portrait und Dekorationsmaler John Francis Rigaud (1742–1810) an der Royal Academy‘s Plaster Academy [Gipsklasse] aufgenommen und drei Jahre später zum Aktzeichnen zugelassen.. In den 1790er Jahren nahm er an einer informellen „Akademie“ teil, in der er sich zusammen mit Thomas Girtin und anderen jungen Männern beim Kopieren von Drucken, Aquarellen und topografischen Zeichnungen im Hause des Arztes und Alienisten Dr. Thomas Monro beteiligte.. Sie brachten dem frühentwickelten Künstler Aufträge von Kupferstechern ein, die die damalige Hochkonjunktur der illustrierten Publikationen nutzen wollten, und von gut vernetzten Kunden, die ihrerseits Turners gesellschaftlichen Horizont erweiterten.. Außergewöhnlich ist, dass - obwohl oder gerade weil die Themen in linearen und monochromen Kompositionen reproduziert wurden – die Betonung der Lichteffekte, die durch die Modulation des Farbtons und nicht durch die Farbe selbst erzielt wird.. Oktober 1834 die Houses of Parliament [Londoner Parlament] durch ein Feuer zerstört wurden, beobachtete William Turner den Brand von einem Boot auf der Themse und malte die Szene in Aquarellen und Ölgemälden: „Die Verbrennung der Houses of Parliament“ (Tate, London).. Der fast abstrakte „Regen, Dampf und Geschwindigkeit - Die Great Western Railway“ (1844; National Gallery, London) zelebriert durch starke Diagonalen, kühne Kontraste zwischen Hell und Dunkel und durch den turbulenten Umgang mit der Farbmaterie die rasanten Veränderungen der Industriellen Revolution.. „Wurde heute dem Mann vorgestellt, der ohne Zweifel der größte unseres Zeitalters ist; der größte in jedem Bereich der Phantasie, jedem Zweig szenischen Wissens; zugleich der Maler und Poet unserer Zeit, J. M. W. Turner.

Joseph Mallord William Turner (1775–1851): Kindheit, Ausbildung zum Landschaftsmaler, Royal Academy, Landschaften (Stil), Tod; ausführlicher Lebenslauf

„Selbst jene, die über die lodernde Glut seiner Farben nur spotten oder lächeln konnten […], verharrten minutenlang vor dem letzten unverständlichen Turner an den Wänden der Royal Academy, und der erste Name, den Kritiker, Künstler und Liebhaber im Katalog nachschlagen […], war ebenfalls der seine.“. William Turner zeigte auf der Ausstellungseröffnung der British Institution zwei Gemälde, „Die Schlacht von Trafalgar, von den Steuerbord-Besanwanten der Victory aus gesehen“ und „Jason“.. Zu dem Trafalgar-Bild äußerste sich John Landauer in seiner „Review of Publications of Art: „So überzeugend hat vielleicht noch kein Landschaftsmaler je zuvor den lebendigen Glanz der Natur eingefangen, unter all ihren unterschiedlichen Aspekten und Phänomenen von Jahreszeiten, Stürmen, Windstillen und Tageszeit.“ Der wichtigste Ort für Turner, um seine Bilder zu verkaufen, wurde seine Privatgalerie in der Harley Street.. In der Royal Academy zeigte Turner in diesem Jahr nur ein Bild, „Die unbezahlte Rechnung“ oder „Der Zahnarzt tadelt die Verschwendungssucht seines Sohnes“, das der britische Sammler, Kunstkenner und Archäologe Richard Payne Knight (1750–1824) als Pendant zu seinem Rembrandt‘schen Nachtstück bei Turner in Auftrag gegeben hatte.. Im August unternahm Turner eine Schiffsreise entlang der Ostküste Englands, wo Turner Skizzen und Studien von Flüssen und Häfen anfertigte, die dann vom Verleger und Stecher William Bernard Cooke gestochen werden sollten.. William Turner stellte zwei Gemälde in der Royal Academy aus, die überarbeitete Fassung von „Die Wracktonne“, das er 1807 gemalt hatte, und „Venus und Adonis“, das erstmals 1803 ausgestellt worden war.. Einen Tag später erschien in der Times ein Artikel über Turner: „Selbst jene, die über die lodernde Glut seiner Farben nur spotten oder lächeln konnten […], verharrten minutenlang vor dem letzten unverständlichen Turner an den Wänden der Royal Academy, und der erste Name, den Kritiker, Künstler und Liebhaber im Katalog nachschlagen […], war ebenfalls der seine.“

William Turner (1775-1851) war große Teile seines Lebens unterwegs. „Reisen war für ihn offensichtlich eine zentrale Erfahrung, ein ihm notwendiger Faden, um seine mannigfaltigen Bildideen daran aufzureihen“, schrieb sein Biograph Andrew Wilton. (Anm. 1) Tatsächlich sind viele Anekdoten darüber bekannt, dass Turner sogar in der fahrenden Kutsche ununterbrochen zeichnete, und es wurden eigens für ihn Malkästen konstruiert, in denen er die gesamte Ausstattung für die Aquarell- oder Ölmalerei mit sich herumtragen konnte, selbst im Miniaturformat für die Manteltasche.

William Turner (1775-1851) war große Teile seines Lebens unterwegs.. 1) Tatsächlich sind viele Anekdoten darüber bekannt, dass. Turner sogar in der fahrenden Kutsche ununterbrochen zeichnete, und es wurden eigens für ihn Malkästen konstruiert, in denen er die gesamte Ausstattung für die Aquarell- oder Ölmalerei mit sich. herumtragen konnte, selbst im Miniaturformat für die Manteltasche.. Von der zeitgenössischen Kritik, die eher Bilder wie die von Hackert gewohnt war, wurde ihm dies - diese Malerei in Farbflecken - nicht selten vorgeworfen, und es war dieser Hintergrund, vor dem. jene Karikatur entstand, die Turner nicht mit einem Pinsel, sondern mit einem Wischmop malend zeigt.. Von diesen aber entfernte sich Turner zunehmend, selbst wenn wir bei dem frühen Bild "Bonneville" noch nicht bei jenen Bildern. der 1830er und -40er Jahre sind - z.B.. Bei den ausgearbeiteten Werken - auch bei diesem Bild von Bonneville handelt es sich um ein sorgfältig ausgearbeitetes, vollendetes Werk, nicht etwa um eine schnelle. Skizze vor Ort - finden sich die obligatorischen Staffagefiguren im Vordergrund, Schafherden oder andere Tiere, die den Blick des Betrachters in das Bild hinein lenken.. Allerdings scheint es nicht diese Anwendung der akademischen Regeln, sondern etwas anderes zu sein, das uns dazu veranlasst, das Bild länger anzusehen, sobald wir uns erst einmal darauf. eingelassen haben.. Bei Malern wie Jacob Philipp Hackert. tendieren die Schatten in Richtung Schwarz - anhand der Reproduktionen ist dies nur schwer zu beurteilen -, doch bei William Turner sind die Schatten abgeschattete Farben, die zugleich. starke Hell-Dunkel-Kontraste aufweisen, ein Phänomen, das er möglicherweise direkt der Natur abeschaut hatte.. Darüber hinaus aber ergibt sich der spezielle Eindruck dieses Bilds auch durch das Motiv und seine Transformation in Malerei.. Noch dazu weichen diese nicht etwa, wie das in vielen Landschaftsbildern geschieht, nach hinten aus, verlieren sich nicht im fernen Dunst, um einem weiten Himmel Raum zu geben, vielmehr rücken. sie nach vorn, auf den Betrachter zu, sobald sich dieser darauf einlässt, dass es sich eben nicht um Wolken, sondern um das Gebirgsmassiv handelt.. Mont Blanc, Blick von Genf, Fotographie (Postkarte), um 1920/30. William Turner fand dieses Phänomen ganz offensichtlich in der Natur vor, als er sich auf seiner ersten Reise auf den Kontinent zwischen Juli und Oktober 1802 von Genf aus dem Mont Blanc näherte.. Er greift also in den Anblick der Natur so ein, dass das Bild die Wirkung der Natur noch einmal steigert - was angesichts der Erhabenheit und Gewalt des Mont Blanc-Massivs an. Blasphemie grenzen mag, jedenfalls auf einer nur 91,5 x 122 Zentimeter großen Leinwand kaum gelingen dürfte.. Der Himmel verliert etwas von seinem. Blau, der Schnee etwas von seinem Weiß und das Grau eines Farbflecks ganz knapp links der Mittelachse korrespondiert so sehr mit dem Grau einer Wolke am oberen Bildrand, dass sich der Eindruck. ergibt, auch dieser Fleck zeige möglicherweise eine Wolke, die sich um den Gipfel des Bergs gelegt hat.. Während der Ausstellung des Bilds im Rahmen der jährlichen Akademieausstellung hatte eine Besucherin, die nicht an die Betrachtung von Kunst gewöhnt war, dieses Bild mehr als alle anderen Bilder. angesprochen, weil es sie dazu animierte, an eigene Erlebnisse zu denken.. (1) Andrew Wilton, Turner und seine Zeit, München 1987, S. 159.

Das Experiment mit der FarbeAndrew Wiltons William-Turner-Biografie ist ein unentbehrliches Standardwerk

Er war damals ungefähr 60 Jahre alt und auf der Höhe seiner Kraft.. Und alles zusammen brachte Turner in einen wunderbar gemalten Wirbel von Licht und Farbe, in dem diese beiden Elemente ineinander verschmelzen und eins zu werden scheinen.. Sein ganzes Leben war er von Feuer, Wasser, Wind und Licht besessen gewesen.. Zu der Zeit, als Turner den Brand des Parlaments in London aquarellierte und malte, hatte er sich schon von den traditionellen klassischen Themen aus Bibel und Mythologie abgewandt und zeitgenössische Motive wie Schiffe und Eisenbahnzüge zu malen begonnen.. Mit seinen Aquarellen hat er begonnen, sich von der Zeichnung zu befreien.. Bei der „Jacht, die sich der Küste nähert“ (1835) verweist Wilton darauf, dass es sich um ein „unvollendetes vollendetes“ Werk handeln könnte.. Auf fast ironische Weise hat Turner den Begriff der Geschwindigkeit relativiert, indem er – kaum erkenntlich – einen Hasen auf den Schienen laufen lässt.. Turner hat – das kann Wilson nachdrücklich verdeutlichen – als erster Maler seine Natur- und Weltempfindung in die Sprache einer freigesetzten Farbe übertragen, er hat die Farbangebote der sichtbaren Natur weit überschritten, um eine dichterische Vision von ihr überhaupt erst sichtbar zu machen.. Seine lebenslange Besessenheit, in seinen Bildern die Erscheinung der Welt auf die gesetzmäßig geordnete Farbigkeit zu prüfen, führte ihn bis an die Grenze der Abstraktion.. Diese Technik übertrug er dann auch auf seine Ölmalerei und erreichte in ihr die gleiche Transparenz der Objekte und Beweglichkeit des Lichts, wie sie für seine Aquarellmalerei so eigentümlich und charakteristisch sind.. Leben und Werk.

Wie elektrisiert, erschrocken und gebannt stehen die Besucher vor diesem Bild. Lodernde Flammen schlagen aus dem riesigen Gebäude. Himmelhoch taucht ihr loderndes Licht die Szenerie und die Menschenmenge vis a vis in gespenstisches Licht. Ein Fanal, eine Apokalypse, eine Zäsur. Joseph Mallord William Turner (1775-1851) konnte den grauenhaften Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 nicht voraussehen. Doch "Der Brand des Ober- und Unterhauses 16. Oktober 1834" (>> Galerie), das 1835 entstand, hält diesen wahnwitzigen aktuellen Bezug aus. Das Ölgemälde, dessen Farben bei aller Grausamkeit des Dargestellten voll Erhabenheit leuchten, lodern, sich einbrennen, war ein Reflex des Künstlers auf eine Katastrophe seiner Zeit. Die Zeiten haben sich nicht geändert.

Das "Selbstporträt". (>> Galerie) hängt gleich zu Anfang. der Ausstellung und bebildert die Jugendjahre des Künstlers,. die schon Ruhmesjahre waren.. Der Sohn eines Londoner Perückenmachers, dessen Mutter früh. verstarb, hatte schon mit 15 Jahren die höheren Weihen der. britischen Kunstgesellschaft durch die Aufnahme in die Royal Academy. erlangt.. Ernennung zum Professor für Perspektive an. der Royal Academy 1807, ab 1811 Aufnahme der Vorlesungen über Perspektive. - das ist der öffentliche Turner, der Kunstexperte, der Verfasser. des "Liber studioruim", einer Sammlung zur Kunsttheorie.. Dazu. gehört der zunehmend wohlhabende Großbürger, der sich. durch Verkäufe seiner Werke und geschickt angelegte Aktien bis. zu seinem Lebensende ein Vermögen von 12 Millionen Pfund Sterling. erwirtschaftet, der Häuser und Grundstücke besitzt - und einen. Großteil seines Vermögens in eine Stiftung für mitellose. Künstler geben will.. "Turner",. derjenige, der die Farb- und Bildauffassung seiner Zeit revolutionieren. sollte, der mit allen Konventionen brechen sollte, ist der Privatmann. und introvertierte Künstler.. Für die deutschen Romantiker war die. Naturschau, der Blick auf Ruinen, Berge und Täler, tosende Wasserfälle,. stille Welten im Nebel, immer reflektiert durch die Darstellung des. Betrachters im Bild.. Wie verschwebt wirken die gleißend hellen Aquarelle aus Deutschland. ("Köln vom Fluss aus gesehen" >>. Galerie) und vor allen Dingen aus Venedig und dem Tivoli: "Kompositionsstudie:. Landschaft in Tivoli", "Venedig mit Santa Maria della Salute",. "Venedig: Einfahrt in den Canal Grande", "Die Dogana...". ( >> Galerie ).. Turner verzichtet schon hier oft auf konturierende. Bleistiftskizzen, auch in seinen ausgestellten Skizzenbüchern ("Skizzenbuch. Himmelstudien" >> Galerie ) aus. dieser Zeit wird deutlich, dass es ihm nur um die Darstellung der Farben. aus dem Licht und ihre Verdichtung zu Formen der Welt geht.. Er wird den Begriff nicht gekannt haben, doch was Turner betreibt ist. die Dekonstruktion des Realen im Bild und die Ersetzung durch dem Impressionismus. vorweggenommene assoziative Bildgestaltung.. Schneesturm:. Hannibal überquert mit seinem Heer die Alpen, 1812 Es. sind diese Bilder, die von den Zeitgenossen schon mal als "Spiegelei. und Spinat" bespottet wurden, und die noch heute rätselhaft. bleiben.. Der. Brand des Ober- und Unterhauses" (>> Galerie) ist ein Großfeuer wie zugleich ein von den Zeitgenossen. so empfundenes Fanal für die verheerende Sozialpolitik der britischen. Regierung.. Es sind die Anfänge. des offenen Kunstwerks, das nicht die Welt abbilden will, sondern die. eigene Welt erschafft, noch nicht abstrakt - Turner bleibt dem"wie. es ist" verhaftet - doch nur einen Schritt von der Abstraktion. entfernt.. Sein Spätwerk. explodiert geradezu vor grandioser und visionärer Pracht,. immer geprägt von der Faszination des. Lebens Andrew Wilton Pastose. und feinste Pinselführungen liegen nebeneinander, lasierende und. deckende Farbschichten wechseln sich ab, Licht und Schatten bilden Traumpaare. und Ausschabungen und Auskratzungen zerstören die glatte Oberfläche. der Bilder.

Videos

1. Los Cuadros más Famosos de William Turner | Historia del Arte
(Kolímprint)
2. Mr. Turner - Meister des Lichts | Offizieller Trailer #1 | Deutsch HD
(20th Century Studios DE)
3. Famous J.M.W. Turner Paintings
(ArtsHeaven)
4. J.M.W. Turner in Münster
(Carsten Wieland Watercolors)
5. William Turner - "Sonnenuntergang über einem See"
(ars mundi)
6. J. M. W. Turner / arte Edition
(absolutMEDIENBerlin)

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Author: Reed Wilderman

Last Updated: 06/25/2022

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